Zeittafel

Auf dieser Seite finden Sie eine Zeittafel der deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung sowie eine Chronik von Ereignissen danach an der ehemaligen Grenze bis in die Gegenwart.

1. September 1939

Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen, Beginn des 2.Weltkrieges.

12. September 1944

"Londener Protokoll" der späteren Siegermächte: Deutschland wird nach dem Ende des Krieges in Besatzungszonen aufgeteilt. Die Grenzen zwischen diesen Zonen decken sich mit Landes- und Provinzialgrenzen des Deutschen Reiches.

8. Mai 1945

Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

1. Juli 1945

Amerikaner und Engländer ziehen sich vereinbarungsgemäß aus den von ihnen eroberten Gebieten in Ostdeutschland zurück und ziehen gleichzeitig in den Westsektoren Berlins ein. Die Rote Armee besetzt daraufhin Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg vollständig. Erste Grenzkontrollen zwischen den Zonengrenzen.

13.November 1945

Gebietsaustausch zwischen Lauenburg und Mecklenburg aus besatzungspolitschen Gründen (Barber-Lyaschenko-Abkommen). Die östlich des Ratzeburger Sees gelegenen mecklenburgischen Orte Römnitz, Bäk, Mechow und Ziethen werden britisch. Im Gegenzug werden die am Schaalsee gelegenen lauenburgischen Orte Lassahn, Dechow und Thurow den Sowjets zugeschlagen.  Nach der Wiedervereinigung wird dieser Gebietsaustausch nicht rückgängig gemacht.

21. Juni 1948

In den Westzonen wird die Währungsreform durchgeführt.

23. Juni 1948

Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

24. Juni 1948 - 12. Mai 1949

Berlin-Blockade der Sowjets als Reaktion auf die westliche Währungsreform.

23. Mai 1949

Gründung der Bundesrepublik Deutschland aus den 3 westlichen Besatzungszonen.

7. Oktober 1949

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik aus der Sowjetischen Besatzungszone.

20. September 1951

Vereinbarung über den Innerdeutschen Handel ("Abkommen über den Handel zwischen den Währungsgebieten der Deutschen Mark (DM-West) und den Währungsgebieten der Deutschen Mark der Deutschen Notenbank (DM-Ost)").

26. Mai 1952

"Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie": Der Ministerrat der DDR ordnet per Gesetz die völlige Abriegelung der innerdeutschen Grenze an. U.a. wird ein "500-Meter-Schutzstreifen" eingerichtet, der - auch von den Anwohnern - nur mit Passierschein betreten werden darf.

Mai / Juni 1952

"Aktion Ungeziefer": 11000 Menschen - von den DDR-Behörden als "feindliche, verdächtige und kriminelle Elemente" bezeichnet - werden aus dem innerdeutschen Grenzgebiet zwangsausgesiedelt. Etwa 3000 von ihnen entzogen sich dieser Aktion durch Flucht in den Westen.Eine ähnliche Aktion wiederholte sich im September 1961 ("Aktion Festigung").

23. Juli 1952

Auflösung der fünf DDR-Länder und Neugliederung des Gebietes in 14 Verwaltungsbezirke

17. Juni 1953

Arbeiterunruhen in der ganzen DDR, ausgelöst durch eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Sowjetische Truppen schlagen den Aufstand blutig nieder, danach kommt es zu einem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen.

9. Mai 1955

Die Bundesrepublik Deutschland wird Mitglied der Nato.

14. Mai 1955

Die Deutsche Demokratische Republik gehört zu den Gründungsmitgliedern des "Warschauer Vertrages".

Dezember 1955

Die DDR erklärt die Zonengrenze zur "Staatsgrenze" und übernimmt deren Bewachung von der Sowjetarmee.

1958

"Chrustschow-Note": Nikita Chrustschow fordert, Westberlin zur "Freien Stadt" zur erklären.

15. Juni 1961

Walter Ulbricht, Staats- und Parteivorsitzender der DDR, auf einer Pressekonferenz: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

13. August 1961

Beginn des Baus der Berliner Mauer durch Pioniere der Nationalen Volksarmee, die von der DDR "Antifaschistischer Schutzwall" genannt wird.

22. / 24. August 1961

Ida Siekmann erliegt ihren Verletzungen nach ihrem Fenstersprung aus dem Haus Bernauer Str.48. in den Westteil der Stadt. Günter Litfin wird beim Durchschwimmen der Spree von einem Posten der Transportpolizei erschossen. Die beiden sind die ersten Todesopfer an der Grenze in Berlin nach den Absperrmaßnahmen.

Ab September 1961

Verlegung von Bodenminen an der innerdeutschen Grenze.

14. August 1962

Tod des Hauptmanns der DDR-Grenztruppen Rudi Arnstadt, der an der Grenze bei Wiesenfeld von einem BGS-Oberjäger in Notwehr erschossen wurde. Die DDR-Seite verbreitete eine andere Version des Todes von Arnstadt, die bis heute ebenfalls gehandelt wird. Für Arnstadt wird in Wiesenfeld ein Denkmal errichtet. Die nach ihm benannten Straßen und Plätze in der DDR wurden nach der Wende umbenannt (siehe zum Tod von Arnstadt auch den Eintrag vom 15.März 1998).

Ab 1963

Passierscheinabkommen in Berlin (Ermöglichung von Verwandtenbesuchen für Westberliner im Ostteil der Stadt zu den hohen Feiertagen)

19. März 1964

Ablösung der "Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie" durch die "Verordnung zum Schutze der Staatsgrenze".

10. September 1964

Rentner aus der DDR dürfen fortan zu Besuch in die Bundesrepublik reisen.

August 1967

Entlang der innerdeutschen Grenze werden insgesamt 2622 Grenzsäulen mit schwarz-rot-goldener Bemalung und Plaketten mit DDR-Staatswappen errichtet.

11. Juni 1968

Die DDR führt den Paß- und Visumzwang für Besucher aus dem Westen ein. Außerdem wird der Güterverkehr nach Berlin (West) durch die DDR besteuert und die Autobahngebühren werden erhöht.

1971

Ausbau der innerdeutschen Grenze mit den Selbstschußautomaten SM 70

3. September 1971

Das Viermächteabkommen bestätigt die Aufrechterhaltung der Bindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik und garantiert die Sicherheit der Zufahrtswege.

17. Dezember 1971

Unterzeichnung des Transitabkommens zwischen beiden deutschen Staaten. Es sieht eine pauschale Abgeltung der Gebühren im Berlin-Verkehr durch die Bundesrepublik vor (zunächst 234,9 Millionen DM jährlich). Außerdem wird z.B. beim Transitverkehr die Grenzkontrolle durch die DDR stark erleichtert.

26. Mai 1972

Unterzeichnung des Innerdeutschen Verkehrsvertrages

17. Oktober 1972

Bei "dringenden Familienangelegenheiten" werden Besuchsreisen in die Bundesrepublik Deutschland gestattet. Besuchs- und Touristenreisen in die DDR möglich.

21. Dezember 1972

Unterzeichnung des "Vertrages über die Grundlagen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik".

21. Juni 1973

Nach Inkrafttreten des Grundlagenvertrages dürfen Bewohner grenznaher Kreise der Bundesrepublik Tagesreisen in grenznahe Kreise der DDR unternehmen. Gleichzeitig Eröffnung neuer Grenzübergänge, u.a. Bergen/Dumme, Duderstadt/Worbis und Eußenhausen/Meiningen.

Juli 1973 bis November 1978

Protokoll über die Überprüfung, Erneuerung und Ergänzung der Markierung der innerdeutschen Grenze. Beginn der Markierungen am 4.9.1973. Daraufhin kommt es zu zahlreichen Korrekturen des Grenzverlaufs. Setzung neuer Granit- Grenzsteine mit der Aufschrift "DDR". Abschluß mit Unterzeichnung des Protokolls am 29.November 1978.

2. Mai 1974

Einrichtung sogenannter "Ständiger Vertretungen" in Bonn und Ost-Berlin.

30. März 1976

Post- und Fernmeldeabkommen.

30. April 1976

In der Nacht zum 1.Mai 1976 wird der DDR-Regimegegner Michael Gartenschläger (32) aus Hamburg, der fast 10 Jahre in DDR-Gefängnissen verbracht hatte, vor dem Metallgitterzaun im sogenannten "Grenzknick" zwischen Bröthen und Bürgerhof von einem Sonderkommando des Ministeriums für Staatssicherheit erschossen. Er war in einen Hinterhalt geraten, nachdem er dort zum wiederholten Male versuchte, einen Selbstschußautomaten (SM-70) zu demontieren bzw. zu zünden. Die Schützen wurden fast ein Vierteljahrhundert später aus Mangel an Beweisen bzw. wegen einer angenommenen Notwehr freigesprochen.

18. Mai 1978

Die Bayerische Staatskanzlei teilt mit, dass durch Wassersportler ab sofort auf dem Abschnitt der Sächsischen Saale, wo sie die innerdeutsche Grenze bildet, die ganze Flußbreite benutzt werden kann, wenn das Befahren der DDR-Seite unumgänglich ist. Es wurde jedoch empfohlen, den Fluß nur bei Tageslicht zu befahren.

10. November 1978

Vereinbarung über den Autobahnbau von Hamburg nach Berlin, der dann bis 1982 realisiert wird (A 24).

31. Oktober 1979

Vereinbarung über die Pauschalabgeltung von Straßenbenutzungsgebühren der DDR durch die Bundesregierung.

9. Oktober 1980

Der seit 1964 existierende "Mindestumtausch" für Westbesucher wird auf 25 DM pro Tag erhöht (für Erwachsene).

13.Oktober 1980

Geraer Rede Erich Honeckers. Darin fordert er unter anderem eine Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft, die Auflösung der Erfassungsstelle in Salzgitter und an der gemeinsamen Grenze an der Elbe die Flußmitte als Grenzverlauf.

1.Mai 1982

Die DDR legalisiert im "Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik" den Waffeneinsatz gegen "Grenzverletzer".

1983

Milliardenkredit der Bundesrepublik an die DDR, vermittelt durch den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. Dies führt auch zur Entspannung an der innerdeutschen Grenze, bis 1984 werden die letzten Selbstschußautomaten, bis 1985 die letzten Minen entfernt.

1983

Nato-Doppelbeschluß führt zu einer neuen Eiszeit zwischen den Supermächten.

27. September 1983

Verordnung über Familienzusammenführung und Eheschließung zwischen "Bürgern der DDR und Ausländern".

11. März 1985

Michail Gorbatschow wird Staats-und Parteichef der Sowjetunion.

6. Mai 1986

Unterzeichnung des Kulturabkommens.

7.-11. September 1987

Der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker besucht die Bundesrepublik Deutschland. Bei diesem Besuch werden viele Vereinbarungen unterzeichnet, u.a. zum Umweltschutz sowie zu Wissenschaft und Technik.

14. September 1988

Die Bundesrepublik gesteht der DDR für die Jahre 1990-1999 (!) eine Transitpauschale in Höhe von jährlich 860 Millionen DM zu, nach bisher 500 Millonen DM pro Jahr. Dafür verpflichtet sich die DDR, bis spätestens 1994 (!) einen neuen Grenzübergang für West-Berlin zu eröffnen, der einen schnelleren Zugang der Bewohner des Berliner Südens zur Transitautobahn ermöglichen soll.

15. September 1988

Im Fortlauf der Verhandlungen vom Vortage wird eine Schnellbahnverbindung zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin über das Gebiet der DDR vereinbart, die über Oebisfelde führen soll. Die Fahrzeit nach Berlin soll sich dann ab 1995 von 4 auf 2 Stunden verkürzen. Auf einen Ausbau der Strecke zwischen Helmstedt über Magdeburg nach Berlin wird verzichtet, da dieser Streckenabschnitt länger ist als die Nordtangente.

18. Januar 1989

Erich Honecker auf einer Pressekonferenz: "Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt worden sind."

6. Februar 1989

Chris Gueffroy und Christian Gaudian versuchen die Sperranlagen zwischen Berlin-Treptow und Berlin-Neukölln zu überwinden. Beide werden - nachdem sie gestellt wurden - von Grenzsoldaten niedergeschossen, dabei wird Chris (20 Jahre) tödlich und Christian leicht verletzt. Es sind die letzten Schüsse an der Berliner Mauer.

8. März 1989

Winfried Freudenberg stürzt bei seinem Fluchtversuch mit einem selbstgebauten Ballon (bereits über Westberliner Gebiet) ab. Er ist somit das letzte Opfer der Berliner Mauer.

7.Mai 1989

Kommunalwahlen in der DDR. Die später hier nachgewiesenen Wahlfälschungen werden zu einem Mit-Auslöser der friedlichen Revolution ab dem Sommer 1989.

Mai 1989

Abbau des Stacheldrahtes an der ungarisch-östereichischen Grenze.

30.6.1989

An der innerdeutschen Grenze stehen 1.265 km Metallgitterzaun, 29,1 km Betonsperrmauer, 71,5 km Hundelaufanlagen sowie 578 Betonbeobachtungstürme. Der Kolonnenweg hat eine Länge von 1339 km.

7. Oktober 1989

40. Jahrestag der DDR, begleitet von Unruhen und Protesten.

9. Oktober 1989

Bis dahin grüßte Montagsdemonstration in Leipzig mit 100.000 Teilnehmenden.

18. Oktober 1989

Ablösung Erich Honeckers

29. Oktober 1989

Die Leichen von Uwe Petras und Dietmar Pommer werden aus der Oder geborgen. Sie sind bei dem gemeinschaftlichen Versuch, sie in Richtung Polen zu durchschwimmen, ertrunken. Damit gehören sie zu den letzten Todesopfern des DDR-Grenzregimes. Die Leiche des wahrscheinlich dritten Flüchtlings der Gruppe, Gerd Kiefer, wurde bis heute nicht gefunden.

9. November 1989

Friedlich erzwungene Öffnung aller Grenzübergänge in Berlin und an der innerdeutschen Grenze nach einem Pressekonferenz-Versprecher von Politbüromitglied Günther Schabowski. Schon am nächsten Tag beginnt der Abriß der ersten Grenzanlagen zwecks Öffnung neuer Grenzübergänge.

18. März 1990

Erste freie Wahlen in der DDR enden mit einem Sieg der "Allianz für Deutschland" unter Lothar de Maiziére. Die neue Koalitionsregierung in Ostberlin forcierte den vollständigen Abbau der Grenzanlagen, der "bis zum 31.Dezember 1991 erfolgen" sollte.

2. April 1990

Befehl zur Bildung eines "DDR-Grenzschutzes".

30. Juni 1990

Vor Beginn der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion am 1.Juli enden nach genau 45 Jahren alle Grenzkontrollen in Berlin und an der innerdeutschen Grenze.

1. August 1990

Beschluß zum Verkauf der DDR-Grenzanlagen (z.B. Unterkünfte, Zäune, GÜST-Einrichtungen).

21. September 1990

Verteidigungsminister Rainer Eppelmann unterzeichnet den Befehl 49/90 zur Auflösung der Grenztruppen der DDR.

3. Oktober 1990

Die fünf neuen Länder der DDR und Berlin-Ost treten dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Damit ist die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen, die DDR verschwindet aus der Gegenwart und wird Geschichte. Nach der Wiedervereinigung betrieben zunächst 4800 ehemalige DDR-Grenzsoldaten mit eigenem Gerät und mit Bundeswehrmaterial den weiteren Rückbau der Grenzanlagen.

12. November 1992

Beginn des Prozesses gegen die Mitglieder des sogen. "Nationalen Verteidigungsrates" in Berlin, u.a. Erich Honecker.

27. Oktober 1995

Beginn des Prozesses gegen die Grenztruppenführung in Berlin, u.a. Klaus Dieter Baumgarten, der 6 1/2 Jahre Haft erhielt.

12. Dezember 1995

Offizieller Abschluß der Minennachsuche und -räumung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

15. März 1998

Der ehemalige BGS-Oberjäger Hans Plüschke wird bei Neuwirtshaus, wenige Kilometer entfernt von der Stelle bei Wiesenfeld in der Rhön, wo er in Notwehr den Hauptmann der DDR-Grenztruppen Rudi Arnstadt 1962 erschossen hat (siehe auch den Eintrag für den 14.August 1962), mit einem Kopfschuß ermordet. Bis heute ist diese Tat nicht aufgeklärt worden. Ein Racheakt wird vermutet, kann aber nicht bewiesen werden.

Mai 2001

Minenfund an der bayrisch-thüringischen Grenze bei Neuhaus-Schierschnitz. Von ehemals 1,3 Millionen verlegten Minen sind bis heute 33000 noch nicht wiedergefunden worden, darunter 15000 Plastikminen (z.B. vom Typ PPM-2), deren Lebensdauer bei 80 (!) Jahren liegt.

Mai 2002

Michail Gorbatschow und Bundesumweltminister Jürgen Trittin eröffnen auf dem ehemaligen Todesstreifen in Thüringen ein Naturdenkmal in Verbindung mit dem "Grünen Band".

15. Juli 2003

Die Bundesregierung bietet ihre Grüne-Band-Flächen den fünf neuen Bundesländern zur Übertragung an. Damit wird eine weitere Privatisierung des ehemaligen Grenzstreifens gestoppt und der Fortbestand des Grünen Bandes gesichert.

18. Dezember 2003

Egon Krenz wird als letzter hoher ehem. DDR-Politiker nach Verbüßung von 2/3 seiner sechsjährigen Haftstrafe auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er war wegen vier konkreten Todesfällen an der Berliner Mauer verurteilt worden.

11. Mai 2004

In einem wiederaufgenommenen Prozess spricht das Berliner Landgericht das ehemalige SED-Politbüromitglied Herbert Häber wegen Anstiftung zum Mord an DDR-Flüchtlingen schuldig. Die Richter verzichten aber auf eine Bestrafung des 73-jährigen. Die Regierungen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt besiegeln in Wernigerode die Fusion der beiden bisher getrennt verwalteten Nationalparks Harz (West) und Oberharz (Ost) zum "Nationalpark Harz". Sitz der gemeinsamen Parkverwaltung wird Wernigerode. Die Presse betitelt dieses Ereignis mit der Überschrift: "Im Harz fallen die letzten Grenzen".

16. Juli 2004

Rund 100 Vertreter aus Ministerien, des Staatlichen Baumanagements und des Militärs kommen auf dem Berg Stöberhai bei Bad Lauterberg im Harz zusammen, um ein letztes Mal den 75 m hohen Horchposten zu besteigen und sich von dem Relikt des Kalten Krieges zu verabschieden. Bis 1990 hatte die Bundeswehr und die französische Armee die Anlage betrieben, um den Funkverkehr hinter dem "Eisernen Vorhang" abzuhören. Die Beseitigung des Turmes und der Nebengebäude, die in der touristenarmen Zeit im November stattfinden soll, wird etwa 3,5 Millionen Euro kosten. Für eine weitere Nutzung hatte es weder staatliche noch private Interessenten gegeben.

21. August 2004

43 Jahre nach dem Bau der Mauer zwischen beiden deutschen Staaten tauchen immer noch bisher unbekannt gebliebene Namen von Toten in den Niederungen der Archive und in Akten auf, die an den Grenzen der DDR ums Leben kamen. Die "Arbeitsgemeinschaft 13. August" recherchierte die Namen weiterer 57 Opfer. Damit stieg die Zahl der Toten an Mauer und Todesstreifen auf 1065.

8. Oktober 2004

Bundesinnenminister Schily hat in seinem Ministerium einen Entwurf für ein Gesetz in Auftrag gegeben, das den Bundesgrenzschutz (BGS) in "Bundespolizei" umbenennt. Die etwa 38400 Beamten sollen fortan auch blaue statt grüne Uniformen tragen.

12. Oktober 2004

Metamorphose: Die ehemalige DDR-Grenzübergangsstelle Hirschberg an der A9 Berlin-München wird als BAB-Raststätte Hirschberg-Ost beim Wettbewerb um das "Goldene R" zur besten Rastanlage Deutschlands 2003-2004 gewählt.

17. Juni 2005

Die ehemaligen Staatsmänner Michail Gorbatschow, Helmut Kohl und George Bush senior werden an der einstigen innerdeutschen Grenze für ihren Beitrag zur deutschen und europäischen Einheit mit dem "Point-Alpha-Preis" geehrt. Die in diesem Jahr erstmals verliehene Auszeichnung des "Kuratoriums Deutsche Einheit" ist mit jeweils 50.000 Euro dotiert. Point Alpha bei Bad Salzungen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze war die markanteste Beobachtungsstation der US-Streitkräfte in Europa, da von dort im Ernstfall ein Angriff der Truppen des Warschauer Paktes befürchtet wurde. Heute befindet sich auf dem Areal eine Mahn- und Gedenkstätte.

1. Juli 2005

Der Bundesgrenzschutz heißt ab heute Bundespolizei.

5. Juli 2005

Das private Mauermahnmal der Initiatorin Alexandra Hildebrand am ehemaligen Kontrollpunkt "Checkpoint Charlie" in Berlin wird wegen Ablauf eines Pachtvertrages unter dem Protest vieler Verfolgter des SED-Regimes abgetragen. Der PDS-Kultursenator Berlins begrüßt dagegen die Räumungsaktion.

3. Oktober 2006

Zur Erinnerung an DDR-Zwangsumsiedler wird in Vockfey (Amt Neuhaus, Kreis Lüneburg) eine Gedenkstätte im Rahmen einer Feier ihrer Bestimmung übergeben. Im Elbe-Dorf Vockfey waren nach 1961 13 große Bauernhöfe abgerissen worden und die Trümmer in einer Grube versenkt worden. Überreste abgerissener Gebäude wurden vor zwei Jahren bei Deicharbeiten entdeckt und auf Initiative von Bürgern geborgen. Eine aus diesen Steinen errichtete "Denkpyramide" und Schautafeln sollen an die Zwangsumsiedlungen erinnern.

12. August 2007

In der Stasiunterlagenbehörde Magdeburg wird bekannt gegeben, daß ein bis dahin unbekannter Schießbefehl des DDR-Grenzregimes gefunden wurde. Dies erweist sich später als Fehler, da dieser Befehl schon in der Birthler-Behörde bekannt war.

20. September 2007

Die Akten der ehemaligen Erfassungsstelle Salzgitter werden von Braunschweig ins Bundesarchiv nach Koblenz verbracht.

21. Dezember 2007

Die Grenzkontrollen zwischen den alten und neun neuen EU-Staaten fallen. Damit verschwindet auch die letzte Barriere zu den meisten ehemaligen Ostblockstaaten, die der EU beigetreten sind.

14. Januar 2008

Die Stadt Braunlage erwägt den Bau einer rund 2500 Meter langen alpinen Abfahrt-Skipiste vom Harzer Wurmberg in Niedersachsen in Richtung Schierke in Sachsen-Anhalt quer über den ehemaligen Grenzstreifen. Im Januar 2014 wird die Anlage dem Betrieb übergeben.

26. Januar 2008

Die niedersächsische Landesregierung plant ein Museum im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen, das die Geschichte von Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedlern dokumentieren soll. Symbolträchtige Bauwerke wie die alten Baracken, die evangelische Holzkirche, die Friedlandglocke oder das Heimkehrer-Denkmal könnten Bestandteile der Gedenkstätte werden. Die Eröffnung ist für 2011 vorgesehen. Wegen der stark zurückgegangenen Aussiedlerzahlen (1989: 400.000; 2007: 6000) aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion denkt die niedersächsische FDP über eine Schließung des Lagers nach. Die CDU dagegen will das Lager noch stärker für Integrationsaufgaben nutzen.

26. März 2008

Der Oldenburger Politologe Stefan Appelius teilt der Presse mit, daß die DDR-Botschaft in Sofia bis zur Wende für DDR-Flüchtlinge, die an der bulgarisch-türkischen bzw. bulgarisch-griechischen Grenze erschossen wurden, den Todesschützen eine Kopfprämie von umgerechnet ca. 1000 DM gezahlt habe. Die Grundlagen für Appelius´Aussagen werden in seinem Forschungsprojekt "Tod in Bulgarien" genannt.

1. Oktober 2008

Die Gemeinde Probstzella in Thüringen beginnt mit dem Abriß der seit 18 Jahren leer stehenden und verfallenden ehemaligen Eisenbahn-Grenzübergangsstelle auf dem Gelände des Bahnhofs Probstzella (Eisenbahnstrecke Nürnberg-Berlin). Dem Abriß voran ging eine lebhafte Debatte über den Umgang mit der Immobilie. Pläne, die "GÜST", die zwischen 1978-1990 von zahllosen Reisenden passiert wurde, als Gedenkstätte bzw. Museum zu erhalten, scheiterten an den zu erwartenden Kosten von 300.000 €. Der Abriss dagegen solle "nur" 144.000 € kosten.

März 2010

Die ehemalige westliche Grenzkontrollstelle Lauenburg an der B 5, die zwischen 1992 und 2007 als Asylbewerberheim genutzt wurde, wird für 9000 € an eine Berliner Privatinvestorin versteigert. Der Zustand der Immobilie ist trostlos - deshalb und wegen hoher Bauauflagen der niedrige Kaufpreis.

12. April 2010

Die Deutsche Bahn verkauft die Dömitzer Eisenbahnbrücke in der Elbtalaue an eine niederländische Immobilienfirma für 305.000 €. Die Holländer wollen das im 2.Weltkrieg zerstörte Bauwerk, das jahrzehntelang Sinnbild für die Teilung Deutschlands war, als Denkmal erhalten.

4. August 2010

Das Niedersächsische Innenministerium gibt bekannt, daß das Grenzdurchgangslager Friedland zukünftig vor allem der Aufnahme von Asylbewerbern dienen soll. Hauptgrund dafür ist der Rückgang der Spätaussiedlerzahlen, der zu einer immer geringeren Auslastung der Lagerkapazitäten führt.

5.Januar 2011

Das Niedersächsische Innenministerium gibt die Meldung heraus, daß die im August angekündigte Aufnahme der ersten Asylbewerber im Grenzdurchgangslager Friedland in den nächsten Tagen bevorsteht.

26.Mai 2012

60.Jahrestag der Schließung der innerdeutschen Grenze durch die DDR. Mit einer Gedenkveranstaltung am Grenzdenkmal Hötensleben in Sachsen-Anhalt wird heute an die Opfer des Grenzregimes und von Zwangsumsiedlungen (u.a. "Aktion Ungeziefer") erinnert.

Juni 2012

Die ehemalige Jacobi-Ziegelei in Zwinge, bis 1989 direkt hinter der Mauer gelegen und auch ein Symbol der deutschen Teilung, wird zugunsten eines Solarparks abgerissen. Nur ein denkmalgeschützter kleiner Teil im hinteren Bereich ist stehen geblieben.

7.Juli 2013 

Eine 29-Jährige Joggerin wird auf dem Kolonnenweg in den Brandenbaumer Tannen (Palinger Heide) nahe Lübeck von einem 46-jährigen, vorbestraften Mann ermordet. Der Täter wird kurz danach gefasst und am 22.Januar 2014 vom Landgericht Schwerin zu lebenslanger Haft verurteilt.

1.Oktober 2013

Schweres Grubenunglück im Kalibergwerk Unterbreizbach bei Vacha in Thüringen unweit der ehemaligen Grenze. 3 Bergleute sterben.

21.Januar 2014

Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn mit dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzübergang wird für mehr als drei Millionen Euro saniert. Das Land Sachsen-Anhalt und der Bund stellen nach Angaben des Direktors der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, Kai Langer, allein 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.

30.Januar 2014

Die Heidelberger Rhein-Neckarzeitung berichtet, daß die Nachkommen böhmischer Rothirsche noch heute nicht die tschechisch-bayerische Grenze überschreiten.  Das hätten tschechische Forscher mit Peilsendern festgestellt: "Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwaldes wandern genau bis zu der Stelle, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte."

 

Quellen

Filmer/Schwan, Opfer der Mauer

Hermann, Die Deutsch-Deutsche Grenze

Nobel, Mitten durch Deutschland

Ritter/Lapp, Die Grenze

DER SPIEGEL (Ausgaben 31 und 32/ 2001, 21/2004 und 49/2009)

SPIEGEL Online (2.10.2013)

Nordwest-Zeitung, Oldenburg (div. Ausgaben)

Generalanzeiger, Rhauderfehn (div. Ausgaben)

Lübecker Nachrichten (Ausgabe 26. Februar 2011)

Rhein-Neckar-Zeitung (Ausgabe 30.Januar 2014)

Aktionärsbrief "Das Grüne Band" des BUND

Frankenpost, Hof

Frankfurter Allgemeine Zeitung

heute.de

Steffens/Ollrogge/Kubanek, Lebensjahre im Schatten der deutschen Grenze