Grenzabfertigung im Güterverkehr im Transit der DDR

Kommandantenturm der GÜST Drewitz im Jahre 2000

 

Ich war von 1981 bis 1988 Student und habe mir ein Zubrot als LKW Fahrer ( 38 to zGG ) verdient, wobei ich öfters nach Berlin West gefahren bin. Teils über Hirschberg, Wartha oder Marienborn. Die wichtigsten Utensilien waren der Warenbegleitschein und der Reisepass. Die Visa ( Stempel grün / rot ) haben schell die Seiten im Pass gefüllt. Der LKW musste Zollverschluß haben. An der westdeutschen Grenze wurde das Fahrzeug verplombt. Dann ging´s rüber. Vorbei an den Türmen. Zunächst geriet man an einen Beamten ( Grenzer = Uniform grün ) der einem die Fahrspur zuwies. Dann kam man an ein Kontrollhäuschen, bei denen die Beamten ( Grenzer ) auf Augenhöhe mit dem LKW saßen. Dies haben dann nach bestimmt dreimaligem " eisigem " Abgleich des Paßfotos mit meinem Konterfei das Visa auf dem Pass angebracht. Weiter ging es in die allseits verspiegelte Abfertigungshalle, wobei nochmals der Pass kontrolliert und der Warenbegleitschein gestempelt und das Fahrzeug kontrolliert und mit Beamten vom Grenzschutz und des Zolls ( Zoll = Uniform graublau ) abgeschritten wurde. Wehe man hatte eine Oese in der Plane vergessen zu schließen.

Dann wurde das Fahrzeug geöffnet und fotographiert. Wenn die Plane schadhaft war, konnte man zurückfahren. Von dem beklemmenden Gefühl, welches einem jedes Mal überkam, ganz zu schweigen. Irgendwie kam man sich immer durch die Enge schikaniert vor. Auf jeden Fall musste man die Nerven behalten. Erst recht wenn vor einem plötzlich eine Schranke heruntergelassen wurde, wenngleich dies gleich auf andere Umstände zurückzuführen war. Wenn man Pech hatte wurde man bei der Ausfahrt nach der Abfertigungshalle nochmals kontrolliert. Für Funkgeräte musste man eine Gebühr bezahlen. Anschalten war natürlich untersagt. Man benutzte jedoch das CB Funk Gerät, um auf Kanal fünf von der Blitzern zu erfahren. In Drewitz bei Berlin wiederholte sich das Geschehen beim Verlassen der "Republik". Glücklich im Westen, warteten die weißbemützten Beamten der BAG ( damals: Bundesanstalt für den Güterfernverkehr ) in Berlin- Dreilinden in Begleitung derer, die von manchen als "Trachtenverein Grün-Weiß" bezeichnet werden, mit einer weiteren Kontrolle , was gelegentlich Folgen hatte. Entschädigt wurde man auf der Transitstrecke durch das billige Mittagessen ( Tankstellen : Osterholz/ Köckern / Michendorf ; ein Mittagessen lag bei 2,85 DM ) und den billigen Diesel.

Man durfte nicht auf den normalen Parkplätzen halten, sondern nur die für Transitreisende benutzen. Auf den Brücken konnte man Parolen lesen oder manche Werbung für verschiedene Kombinate. Lustig war es im Winter, wenn der Straßendienst der DDR Autobahn füssiges Streumittel aufbrachte, welches entsprechend die Scheiben verschmierte. In Höhe von Leuna/ Buna / Merseburg konnte man nachts nahezu immer die Nebellampen anschalten, da die dortigen Emissionen die Sicht einschränkten. Begleitet wurde man im Radio von fremdklingenden Schlagern und Erfolgsmeldungen der sozialistischen Wirtschaft über die " Stimme der DDR". Tagsüber ( Das Sonn- und Feiertagsfahrverbot galt nicht für den Berlinverkehr.) konnte man sich dann im Elefantenrennen mit den Trabis üben, da diese am Berg ebenfalls abfielen und man gelegentlich einer hübschen Beifahrerin zublinseln konnte, die mit angezogenen Knien die Fahrt überstehen mußte. Ab dem 9.11.89 ( Mauerfall ) wurde es lockerer, bis am 3.10.90 die Wiedervereinigung kam. Auf jeden Fall war die Wiedervereinigung für mich ein bewegender Tag und ich freue mich darüber. ( Zwischen Dez. 89 und Juni 90 erhielt man bei einem bis zum 9.11.89 undenkbaren Rundgang um den Reichstag einen Einreise- und Ausreisestempel !? Deutsche Gründlichkeit hier wie da !! ) Heute nimmt man die Grenze nicht mehr wahr.

                                                                                                                                                  A.Utz, Juni 2007