Ein folgenschwerer Fehler

Zwei französische Freundinnen wollten mit mir einmal nach Berlin fahren um erstens, die Berliner Mauer zu sehen und weiter, festzustellen, dass Paris mit Sicherheit schöner ist als Berlin. So fuhren wir dann von Toulouse nach Hamburg und von dort nach einem kurzen Aufenthalt über die Transitstrecke von Lauenburg nach Berlin. Ich hatte mich gut informiert und wusste genau, wie ich mich auf dieser Strecke zu verhalten hätte. Auf keinen Fall durfte ich den Weg verlassen und musste peinlichst die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten. Danach wollte ich mich auch 100% halten. Aber alles was einem an Unangenehmen passieren konnte, ist uns passiert. Zuerst streikte unser Auto und wir verloren wertvolle Zeit, da wir ja zu einer bestimmten Zeit in Staaken die Transitstrecke wieder zu verlassen hatten ,und dann war kein Vorwärtskommen möglich, zum einen durch eben diese Geschwindigkeitsbegrenzungen und zum anderen versperrten und Militär- und Landwirtschaftliche Fahrzeuge den Weg. Eine irrsinnige Bummelei nannten meine beiden französischen Freundinnen die Situation, die man ja wirklich nicht ertragen könne. Eine Autobahn müsste her, und siehe da es gab plötzlich einen Wegweiser nach Berlin - auf einer Autobahn -. Warum diese Bummelei weitermachen, wo doch in der Nähe eine Autobahn uns genau dorthin führt, wo wir hinwollten. Alles das, was ich wusste, was man nicht tun sollte, warf ich über Bord und fuhr auf die Autobahn Richtung Berlin, die auf dem Alexanderplatz endete. Ja, wie nun weiter, wir mussten nach Staaken. Ich fragte einen Passanten nach dem Weg. Der war sprachlos. Ich dürfte doch um Himmelswillen gar nicht hier sein und sollte möglichst schnell wieder den gleichen Weg zurückfahren und ich könne von Glück sagen, wenn ich dabei keiner Kontrolle in die Hände fallen würde. Das kam für mich überhaupt nicht infrage, schließlich könne man sich ja einmal irren. Ich fragte nach dem nächsten Grenzübergang nach Westberlin und den haben wir dann auch angesteuert. Kaum zu glauben, wie überrascht der ostdeutsche Grenzer war. Nichts wurde geglaubt und von wegen irren, das gibt es nicht, und überhaupt hätten wir uns viel zu lange auf der Transitstrecke aufgehalten. Meine beiden französischen Freundinnen, der deutschen Sprache nicht mächtig, merkten aber sofort, dass wir größere Schwierigkeiten hatten und bekamen Angst. Was werden diese Uniformierten mit den Pistolen am Gürtel mit uns machen? Sie diskutierten mit mir in ihrer Sprache, die die Polizisten wiederum nicht verstanden und wurden misstrauisch. Schließlich und endlich beorderten sie uns auf einen riesengroßen Parkplatz. Dort mussten wir stundenlang bei geschlossenem Fenstern und Türen warten. Dem anfänglichen Unverständnis meiner beiden Freundinnen, die nicht fassen konnten, dass wir, nur weil wir einen anderen Weg gewählt hatten, derartige Probleme haben könnten, wich der Angst, was wohl mit uns geschehen könnte. Nach Stunden durften wir dann endlich weiterfahren, wurden aber eindringlichst belehrt, so etwas nie wieder zu machen. Auf der Westberliner Seite dann endlich angekommen meinte der Zöllner oder Polizist nur, dass ich unverschämtes Glück gehabt hätte, 2 Französinnen im Auto gehabt zu haben, denn wenn ich alleine gewesen wäre, hätten sie mich sicher erst einmal festgesetzt. Alleine wäre mir das aber auch nicht passiert. Von einer Mauerbesichtigung wollten meine beiden Französinnen aber nichts mehr wissen.

                                                                                                                                                         Edith Fuchs, September 2014