Eisenbahntransit Alliierte

© Jürgen Ritter

 

Während der 70er und 80er Jahre war ich in der damaligen BRD und den Niederlanden als Mitglied die Britischen Streitkräfte (Royal Air Force) stationiert. Es steht außer Zweifel, daß für viele Menschen die Deutsch-Deutsche Grenze Trauer, Qualen und Leid unter dem Kommunismus symbolisierte. Es war eine Art Trennlinie zwischen Gut und Schlecht.

Für mich hatte die Grenze eine bestimmte Faszination. Damals wollte ich immer nach Berlin reisen, damit ich meinem potenziellen Feind ins Auge sehen konnte.

Wenn es um Reisen nach Berlin mit der Bahn ging, aus politischen Gründen, durften wir nur  mit dem Britischen Militärzug von Helmstedt fahren. Unsere Papiere durften nur von den Sowjets überprüft werden.

Die Fahrt nach Berlin begann immer so:

Im Hannover Hbf mussten wir uns bei der Britischen RTO (Regional Transport Officer) melden und einchecken.

Dann stiegen wir in den Britischen Militär-Zug ein. Damit fuhren wir nach Helmstedt und dort stiegen wir aus, während der Zug vorbereitet war.

Inzwischen mussten wir uns an einem Sonderbahnsteig versammeln. Dann, eine kurze Zeit später, kam der vorbereiteten Zug an.

Bevor wir wieder einstiegen, sprach uns der TCWO (Train Conducting Warrant Officer) - im Grunde der Schaffner! -  so an: ,, Meine Damen und Herren. Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit! Meine Damen und Herren! Herzlich Willkommen an Bord des Britischen Militär-Zuges nach Berlin. Wir werden bald in den Zug einsteigen. Kurz nach der Abfahrt werrden kleine Erfrischungen und später Frühstück/Mittag-/Abendessen serviert. Während unserer Reise nach Berlin werden wir durch die Deutsche Demokratische Republik fahren. Deswegen weise ich darauf hin,  daß der Gebrauch von Kameras, fotografischen Geräten oder Ferngläsern strengstens verboten ist. Wir wünschen Ihnen ein angenehm Reise.“

Während der Reise über die Grenze fuhr man natürlich an Stacheldrahtzäunen, Wachttürmen,Grenztruppen usw. vorbei,  bevor der Zug an der Grenzübergangstelle in Marienborn hielt. Dort, an einem Sonderbahnsteig, stiegen nur drei Menschen aus, d.h.:

Diese drei Menschen marschierten dann auf dem Bahnsteig zum Sowjetischen Offizier, der sie in Empfang nahm.  Der Britische Hauptoffizier des Zuges und der Sowjetische Offizier salutierten und tauschten einen Händedruck aus. Dann gingen sie in ein Buro am Bahnsteig, um die Formalitäten zu erledigen, während wir im Zug warteten.

Wenn es um die Personalpapiere der Passagiere ging, war die Sowjetische Befehlsgewalt bis auf das letzte I-Tüpfelchen genau. Sie bestanden darauf, daß alles bis auf den I-Punkt in Ordnung war. Deswegen, je nachdem  wie viele Menschen im Zug waren, konnte es eine Ewigkeit dauern. Inzwischen mussten wir in unserem Abteil bleiben und durften nicht im Zug umherwandern (es sei denn, wenn es mit der Essenszeit zusammenfiel!)

Auf der Gleiseite des Zuges kamen einige bewaffnete Vopos, um unter dem Zug mit Wachhunden nach Flüchtlingen zu suchen. Die übrigen säumten die ganzen Strecke des Gleises im Bahnhof. Auch gab es bewaffnete NVA-Soldaten (vermutlich Grenzschutz-Regiment),  die auf Wachpodesten mit Maschinengewehren hockten. Sie alle beobachteten uns ganz genau! Da konnte man schon Angst kriegen!!

In Berlin hatten wir bestimmte Befehle,  daß wir keinesfalls etwas mit den DDR-Beamten zu tun haben durften, es sei denn in Notfällen. Um nur ein Beispiel zu nennen, wenn man mit der U-Bahn fuhr und stieg zufällig am Bahnhof Friedrichstraße in Ost-Berlin aus. Wie es bei solchen Anlässen immer üblich war, bat ein DDR-Zollbeamter um unsere Papiere. Nach unserem Befehl mussten wir uns höflich weigern, ihm diese auszuhändigen und um die Anwesenheit eines Sowjetischen Offiziers bitten.  So in etwa fand die Unterredung statt: ,,Ihre Papiere bitte.“ ,, Leider kann ich das nicht machen. Ich bin Mitglied die Allierten Streitkräfte. Ihr Verlangen ist gegen die Regel. Rufen Sie bitte einen Sowjetischen Offizier.“

                                                                                                               

                                                                                                                            Rob Sayers, Wiltshire, England, 2011